Die Geschichte - Panicale

Panicale ist einer der schönsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Orte Italiens. Aufgrund seiner außerordentlichen Panoramalage wird es gerne als “Terrasse des Trasimenosees” bezeichnet. Eine erste Bebauung geht zurück auf das Jahr 1000. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte fand eine konstante Erweiterung des Ortes statt, bei der dieser durch die kurvenförmige Straßenführung seine seltene elliptische Form annahm, die man noch heute im Verlauf der Stadtmauer wiedererkennt. Die Hauptplätze sind auf drei unterschiedliche Ebenen verteilt: Die untere Piazza Umberto I diente über lange Zeit als Marktplatz. Durch die abschüssige Lage konnte das Regenwasser aufgefangen werden und später in die, in der Renaissance erbaute, Zysterne abfließen. Die Fundamente der heutigen Strasse entlang der Stadtmauer sind im antiken Burggraben erbaut worden. Panicale hat viele berühmte Söhne: Darunter der gefürchtete Söldnerführer, Giacomo Panieri, genannt Boldrino da Panicale (1331 – 1391), der bekannte Maler aus des 15. Jhd., Cristoforo Fini, genannt Masolino da Panicale (1383 – 1447), dessen Madonnen in den wichtigsten europäischen Museen zu finden sind sowie der Schriftsteller Cesare G.B. Caporali (1531 – 1601). Dieser war der erste Dichter von komischen Heldengedichten, die derart beliebt waren, dass seine Reime von 1574 – 1673 fünfunddreißig Auflagen erfuhren. Von den zahlreichen historischen Bauwerken seien hier nur einige wenige erwähnt: Die Kirche San Michele Arcangelo ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde im Lauf ihrer Geschichte mehrmals rekonstruiert. Ihr heutiges Aussehen geht auf das Jahr 1600 zurück. In ihrem Inneren kann man u. a. eine wunderschöne “Verkündigung”,von Masolino da Panicale und eine “Geburt”von Caporali, Ölgemälde auf Holz von 1519, bewundern. Die imposante Barockorgel von 1702 wurde im Jahr 2000 vollständig erneuert. Die Kirche San Sebastiano stammt aus dem späten Mittelalter und wurde 1623 rekonstruiert. Hier wird das wunderschöne Fresko „Das Martyrium des Heiligen Sebastian“ von Perugino aus dem Jahr 1505 (Restaurierung 1985) ausgestellt. Daneben befindet sich ein zweites Fresko von Perugino, die “Madonna in Gloria” von 1490, das von der Wand entfernt und auf Holz fixiert wurde. Das kleine Teatro Cesare Caporali wurde Ende des 18. Jh. auf Initiative einiger wichtiger Familien in Panicale erbaut. Das spätere Teatro del Sole verdankt sein heutiges Aussehen aus dem Jahre 1858 dem Architekten G. Caproni. Auf dem Bühnenvorhang, ein Werk des Mariano Piervittori da Tolentino, wird eine Episode der Ortsgeschichte, der “Triumph des Boldrino”, dargestellt. Außerdem sehenswert: Der gesamte Ort innerhalb der Mauern lohnt einen Besuch. Besonders hervorzuheben sind der Palazzo del Podesta aus dem 14. Jh. und der großartige Palazzo Mancini, der auf der Seite der Porta Fiorentina 1619 erhöht wurde. Kurz vor der Mauer befindet sich die Kirche Madonna della Sbarra von 1625, so benannt, weil auf der naheliegenden Straße eine Zollschranke angebracht war.